Wie lässt sich der Einsatz von Kunststoffrezyklaten steigern, während die Recyclingbranche gleichzeitig unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht? Diese Frage stand im Mittelpunkt des NABU-Dialogforums Kreislaufwirtschaft „Kunststoffrezyklat – wohin des Weges?“, das am 14. Oktober 2026 in Berlin stattfand. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Christian Thorun, Geschäftsführer des ConPolicy – Instituts für Verbraucherpolitik.
Vertreter:innen aus Unternehmen, Recyclingwirtschaft, Verbänden und Umweltorganisationen diskutierten über die Potenziale des Rezyklateinsatzes, erfolgreiche Praxisbeispiele und die notwendigen politischen Rahmenbedingungen.
Aus den Vorträgen und Diskussionen lassen sich fünf zentrale Erkenntnisse ableiten:
- Ohne Nachfrage keine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Die wirtschaftliche Lage vieler Kunststoffrecyclingunternehmen ist äußerst angespannt. Zahlreiche Betriebe stehen unter erheblichem Druck, teilweise drohen Insolvenzen. Um Recyclingkapazitäten langfristig zu sichern, braucht es vor allem eine verlässliche Nachfrage nach Rezyklaten.
- Unternehmen müssen sich jetzt auf die Anforderungen ab 2030 vorbereiten. Mit den kommenden verbindlichen Rezyklateinsatzquoten steigt der Handlungsdruck. Unternehmen, die erst kurz vor Inkrafttreten der Vorgaben beginnen, geeignete Materialien zu beschaffen, Lieferketten aufzubauen und Produkte anzupassen, riskieren Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Quoten. Zugleich sind faire Wettbewerbsbedingungen und wirksame Kontrollen notwendig, um sicherzustellen, dass importierte Materialien tatsächlich den Anforderungen an Rezyklate entsprechen.
- Vorreiter zeigen, was bereits möglich ist. Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Branchen verdeutlichten, dass der Einsatz von Recyclingkunststoffen schon heute erfolgreich gelingen kann. Diese Erfahrungen sollten stärker genutzt werden, um weitere Unternehmen zu ermutigen und erfolgreiche Lösungen in die Breite zu tragen.
- Kreislaufwirtschaft braucht eine Innovationsagenda. Neben dem etablierten Prinzip „Design for Recycling“ sollte künftig auch „Design for Recyclate“ stärker in den Mittelpunkt rücken. Produkte müssen nicht nur recyclingfähig gestaltet, sondern auch gezielt für den Einsatz von Rezyklaten entwickelt werden. Die teilweise anderen Materialeigenschaften von Recyclingkunststoffen sollten dabei nicht ausschließlich als Herausforderung, sondern auch als Ausgangspunkt für Innovationen verstanden werden.
- Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam handeln. Verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen sind entscheidend, um Nachfrage und Investitionssicherheit zu schaffen. Gleichzeitig sind Unternehmen gefordert, bereits heute Erfahrungen mit Rezyklaten zu sammeln und ihre Beschaffungs- und Entwicklungsprozesse entsprechend auszurichten.
„Wir müssen Kreislaufwirtschaft stärker vom Ende her denken: Nicht nur, wie wir mehr Kunststoffe recyceln, sondern auch, wie wir Produkte, Märkte und Geschäftsmodelle schaffen, die Rezyklate selbstverständlich einsetzen“, fasst Christian Thorun eine zentrale Erkenntnis der Veranstaltung zusammen.
Die Diskussionen machten deutlich: Die Zukunft des Kunststoffrecyclings entscheidet sich nicht allein in den Recyclinganlagen, sondern ebenso in den Einkaufs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen.
ConPolicy dankt dem NABU für die Einladung zur Moderation sowie allen Mitwirkenden für den engagierten und konstruktiven Austausch.