Ergebnisse durch die Landesanstalt für Medien NRW veröffentlicht
Frag doch die KI: Neue Studie zur politischen Informationssuche mit Chatbots
Generative KI-Chatbots sind inzwischen Teil des Alltags geworden und werden zunehmend auch zur Recherche politischer Informationen genutzt. Dadurch verändert sich, wie politische Informationen gesucht, verarbeitet und eingeordnet werden. Vor diesem Hintergrund hat ConPolicy im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW untersucht, wie Nutzer:innen generative KI zur politischen Informationssuche einsetzen.
Im Zentrum der nun veröffentlichten Studie steht die Analyse sogenannter Prompts, also der Texteingaben, mit denen Nutzer:innen ihre Fragen an KI-Systeme formulieren. Hierfür wurde eine repräsentative Befragung mit über 2.000 Teilnehmenden durchgeführt, in der diese in realitätsnahen Szenarien mit einem KI-Chatbot interagierten. Die eingegebenen Prompts wurden anschließend mithilfe von Natural Language Processing analysiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass praktische Fragen von Alltag und Haushalt (56%), Gesundheit (48%) oder Kaufentscheidungen (36%) die Nutzung von KI-Chatbots bislang dominieren, doch knapp ein Viertel der Befragten setzt sie bereits gezielt zur politischen Information ein. Die meisten Nutzer:innen sprechen dabei KI-Chatbots mit einfachen, fragenbasierten Eingaben an und nutzen sie ähnlich wie Suchmaschinen; fortgeschrittene Prompting-Techniken wie die Zuweisung einer bestimmten Rolle spielen mit 0,4 Prozent kaum eine Rolle. Zugleich macht die Studie deutlich, dass die Formulierung der Prompts Einfluss darauf hat, ob eine Websuche ausgelöst wird und auf welcher Grundlage KI-generierte Antworten entstehen: So griff ChatGPT bei Erstanfragen nur in rund der Hälfte der Fälle (52,3 %) auf Webquellen zurück, obwohl gerade bei politischen Themen aktuelle, nachprüfbare Quellen wichtig sind.
Die Studie wurde hier veröffentlicht. Ein Factsheet zur Studie ist zudem hier zu finden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.
Qualitative Studie im Rahmen des Projekts „Diskriminierung, Emotionen und Verbraucher:innenverhalten“ gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)
ConPolicy veröffentlicht Working Paper zu Emotionen in der Verbraucher:innenberatung
Wie gehen Beratungsorganisationen mit den Emotionen diskriminierter Verbraucher:innen um? Dieser Frage widmet sich das neue Working Paper „Umgang mit Emotionen von diskriminierten Personen in der Verbraucher:innen-Beratung“, das im Rahmen des Projekts DEVGAV – Diskriminierung, Emotionen und Verbraucher:innenverhalten entstanden ist.
Grundlage der qualitativen Studie sind eine Akteursfeldanalyse von 91 Beratungsorganisationen sowie 15 leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Beratenden aus unterschiedlichen Marktsektoren, darunter Wohnungsmarkt, Finanzdienstleistungen, digitale Märkte, Gesundheitswesen sowie Kultur- und Freizeitmärkte.
Drei zentrale Ergebnisse werden deutlich: Erstens wird Diskriminierung in Beratungsgesprächen häufig nicht ausdrücklich benannt, sondern zeigt sich eher indirekt innerhalb anderer Verbraucher:innenanliegen. Zweitens schließen sich emotionale Anerkennung und sachorientierte Beratung nicht aus. Im Gegenteil: Gerade das ernsthafte Aufgreifen von Emotionen kann eine wichtige Voraussetzung dafür sein, diskriminierungsbezogene Anliegen anschließend wirksam und lösungsorientiert zu bearbeiten. Drittens hängt der Umgang mit den Emotionen diskriminierter Verbraucher:innen bislang stark von den individuellen Erfahrungen, Kompetenzen und Haltungen der jeweiligen Beratungsperson ab. Verbindliche Leitlinien oder Fortbildungsangebote, die Diskriminierung und Emotionen systematisch zusammendenken, sind in Verbraucher:innenorganisationen bislang kaum etabliert. Die Studie verweist damit auf eine Professionalisierungs- und Schutzlücke in der Beratung von Verbraucher:innen.
Neue Publikation für das Bundesamt für Strahlenschutz
Risikokommunikation im Wandel: Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zur Kommunikation über elektromagnetische Felder im Strahlenschutz
In der Gesellschaft gibt es viele Unsicherheiten über die Auswirkungen elektromagnetischer Felder (EMF). Das BfS forscht und informiert über wissenschaftliche Erkenntnisse zu EMF und setzt für diese Arbeit auch sozialwissenschaftliche Forschung ein, welche im Rahmen dieses Forschungsvorhabens zusammengefasst und evaluiert wurde.
Das Projekt erstellte eine Forschungssynthese über sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte im Bereich der EMF-Risikokommunikation, welche zwischen 2005 und 2025 vom BfS initiiert wurden. Ziel war es, zentrale Erkenntnisse zusammenzuführen, gesellschaftlich einzuordnen und Handlungsempfehlungen für die zukünftige Kommunikationspraxis und Forschung abzuleiten. Grundlage bildeten 30 BfS-Studien (zu hochfrequenten, niederfrequenten und beiden Frequenzbereichen), die methodisch und qualitativ anhand eines Bewertungsrasters und Qualitätskriterien analysiert wurden.
Die Studien zeigen methodisch ein breites Spektrum, das von rein quantitativen und qualitativen Designs bis Mixed-Methods-Ansätzen reicht. Qualitativ wurden die Studien überwiegend positiv bewertet, insbesondere bezüglich der angewendeten Methoden und Ressortforschungsrelevanz. Verbesserungen könnten teilweise im Bereich der Forschungstransparenz vorgenommen werden. Die Identifikation zukünftiger Forschungsfelder ergab eine Priorisierung der Forschung zu Wissenschafts- und Risikokommunikation (z. B. im Bereich Science Literacy), flankiert von Maßnahmen zur Befähigung von Multiplikator*innen und zur Analyse des öffentlichen Diskurses rund um EMF. Weiterhin relevant bleiben außerdem Fehl- und Desinformationen im Bereich EMF sowie die Forschung zur Risikowahrnehmung und den Informationsbedürfnissen der Bevölkerung. Die Auswertung mündete in zehn praktischen Handlungsempfehlungen: (1) BfS als glaubwürdige Präsenz etablieren, (2) Breite Aufklärung, aber nah am Alltag der Menschen, (3) Science Literacy berücksichtigen, (4) Wissenschaft als Prozess darstellen, (5) Informationsbedürfnisse erkennen und Aktivitäten effizient koordinieren, (6) Multiplikator*innen befähigen, (7) zielgruppengerecht schulen, (8) Informationsmaterial und Internetartikel zugänglich gestalten, (9) Intuitive Benutzerführung beachten, und (10) Positive Social-Media-Agenda verfolgen.